"Tom Sora habe ich durch seine analytischen Arbeiten über Klangflächen kennen gelernt.
Seine Analyse von Metastaseis finde ich ausserordentlich interessant. Es ist eine neuartige Sichtweise meines Werkes.
Ich glaube, dass ihm eine solche Arbeit auch einen interessanten Ansatz für seine Tätigkeit als Komponist verspricht."

Iannis Xenakis

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Betrachtungen über den Neoklassizismus in der Musik

Abschlussarbeit in Musiktheorie/Musikwissenschaft an der Musikhochschule Bukarest
(Sprache: Rumänisch, 28 Seiten, 1990)

Musiktheoretische Arbeit:

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Betreuer der Arbeit: Alexandru Leahu

Zusammenfassung

In dieser Arbeit wird die These aufgestellt, dass der Neoklassizismus in der Musik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine mittlere Stellung zwischen den akademischen und den modernen und avantgardistischen Tendenzen der Zeit einnimmt.

Das neoklassizistische Prozedere ist laut dieser These ein Hybrid: einerseits ist es eine Anlehnung und ein Rückgriff auf verschiedenste Elemente der Tradition - andererseits ist es charakterisiert durch die eklektische Verwendung verschiedener unterschiedlicher Elemente des damals modernen musikalischen Vokabulars.

Jeder Komponist der damaligen Zeit, (egal ob er konsequent oder nur sporadisch neoklassische Stücke geschrieben hat), verwendeten eine ganz bestimmte Auswahl an stilistischen und technischen Elementen des damals modernen musikalischen Vokabulars (wobei die bedeutenden unter diesen Komponisten diese Elemente sogar zum Teil selber erfunden hatten, wie zum Beispiel Debussy oder Schönberg).

Aus diesem Grund kann man also nicht pauschal über den "Neoklassizismus" als Stil reden, sondern nur über verschiedene spezifische, mehr oder weniger ausgeprägte neoklassische Tendenzen. Jeder Komponist hat sozusagen seinen eigenen Neoklassizismus betrieben, auch weil jedes mal die Mischung aus Tradition und Innovation anders justiert war.

Beispiele der verwendeten, damals zeitgemäßen oder neuen musiksprachlichen Elemente sind die "falschen Noten", also die Harmoniefremden Töne (insbesondere in der französischen Musik nach der Jahrhundertwende), der sogenannte "freitonale" Stil, wie ihn zum Beispiel Hindemith praktizierte, melodische und rhythmische Elemente des frühen Jazz, synthetische Modi - zB hexatonal - und sogar die Reihentechnik als Satztyp (Schönberg, Suite op. 25).

Gleichzeitig orientieren sich diese Komponisten in ihren Werken neoklassischer Ausprägung hinsichtlich der Syntax (also insbesondere hinsichtlich der Form oder des Satztypus wie Kontrapunkt, Harmonie, etc.), wie gesagt, mehr oder weniger an verschiedene akademische Gemeinplätze (die als Extrakt aus vergangenen Stilrichtungen entstanden waren).

So zum Beispiel die Wiederbelebung der Formen des Barocks oder der frühen Klassik, wie die Tanz-Suite, Fuge, Concerto grosso (Stichworte: "Rückkehr zu Bach" und "Neo-Barock") - oder die massive Verwendung reiner diatonischer Abläufe, insbesondere in der französischen Musik, als Reaktion zur aufkommenden oder bereits etablierten Atonalität und in Anlehnung an die barocke und vor-barocke französische Musik.

Dargestellt wurde diese These an folgenden Kompositionen, die dementsprechend analysiert wurden:

  • • Sergei Prokofiev: Sinfonie classique
  • • Paul Hindemith: Kammermusik Nr. 2, op. 36, Nr.1
  • • Filip Lazar: Concerto grosso Nr. 1 op. 17
  • • Dinu Lipatti: Concero im klassischen Stil op. 3
  • • Maurice Ravel: Le Tombeau de Couperin
  • • Claude Debussy: Pour le Piano
  • • Arnold Schönberg: Suite op.25