„Wer Musik von Tom Sora begegnet, wird schnell mit einer nicht fassbaren, aber die eigene Wahrnehmung schärfenden Sogwirkung konfrontiert.
Berührt werden vielerlei Befindlichkeiten durch Klangsituationen,
die sich beim ersten Hören in ihrer komplexen Mehrdimensionalität und Intensität kaum erschließen.“

Yvonne Petitpierre

screenshot von 3 angriffe plus Notenbilder

... WER SICH NICHT, WIRD NICHT ... (2009)

für Sopran und Schlagzeug - Text: Tom Sora

Einzelnes Werk

Um wieder zur Werkliste zu gelangen, klicken Sie bitte auf den Menupunkt "Kompositionen"

VIDEO für das Stück: ... WER SICH NICHT, WIRD NICHT ...

• Zu sehen und zu hören ist die Komputer-Variante des Stücks,
so wie es von dem Kompositions-Programm "graphic composer"
abgespielt wird.
Um das video zu stoppen:
Klicken Sie ein mal in den Film hinein.

Die vom Bayerischen Rundfunk gemachte Aufnahme des Stücks mit Anja Petersen und Thomas Hastreiter, steht aus rechtlichen Gründen leider hier nicht zur Verfügung.

Tom Sora: Wer sich nicht, wird nicht, Partitur, Seite 1 (Foto:T. Sora)
"... Wer sich nicht, wird nicht..."
Partitur, Seite 1 (Foto: T. Sora)
Tom Sora: Wer sich nicht, wird nicht, Partitur, Seite 2 (Foto:T. Sora)
"... Wer sich nicht, wird nicht..."
Partitur, Seite 2 (Foto: T. Sora)
Tom Sora: Wer sich nicht, wird nicht, Partitur, Seite 3 (Foto:T. Sora)
"... Wer sich nicht, wird nicht..."
Partitur, Seite 3 (Foto: T. Sora)

Anmerkungen zum Text der Komposition
„Wer sich nicht..., wird nicht...“

Für dieses Stück wollte ich einen Text, den ich auf eine ähnliche Weise wie die ihm entsprechende Musik komponieren konnte. Das bedeutet für mich, den werdenden Text, genau so wie die Musik, aus einem Kern zu generieren, wobei ich das so Hervorgebrachte im Verlauf der Arbeit extrem oft re-kombiniere. Gleichzeitig wollte ich aber einen Text, der als Ganzes, trotz seines speziellen Entstehungsverfahrens, (also der vielen Permutationen seiner Wörter, die zur Entstehung neuer Wortgruppen führen), semantisch stets sinnvoll bleibt. Aber gerade das ist bei meiner beschriebenen Arbeitsmethode unmöglich, wenn der ursprünglich ausgewählte Kern-Text inhaltlich oder grammatikalisch zu komplex ist oder zu lang, denn ein dichter, kohärenter Text verliert jeden Sinn, wenn er vielfach zerschnitten wird.

Deswegen habe ich als Kern für meinen Text, einen einzigen, kurzen und grammatikalisch einfachen Satz ohne Substantive ausgewählt, dessen meisten Wörter sowohl isoliert, als auch in verschiedenen neuen Kombinationen eine Relevanz haben. Der ausgewählte Satz lautet: „Na und? Machen wir uns nichts vor: Man kann noch so gut sein, wer sich nicht..., wird nicht...“. Ich habe ihn einem Interview von Michael Michalsky (Süddeutsche Zeitung, 2008) entnommen. Die interessanten, aber für meinen Zweck viel zu konkreten Präzisierungen seines Satzes habe ich entfernt und durch Punkte ersetzt.

Der zynische Satz von Michalsky ist um die instrumentelle Dimension des menschlichen Handelns zentriert: „wer sich nicht..., [der] wird nicht...“. In dem von mir daraus entwickelten Text, verlagere ich jedoch das Gewicht auf die existentiellen Aspekte der Wahrhaftigkeit der einzelnen Person („sich/uns nichts vormachen“) und der Mündigkeit, denn Wahrhaftigkeit und Mündigkeit sind kongruent. Mein Text besteht ausschließlich aus den 18 Wörtern des Satzes, die ich absolut unverändert (keine Deklinationen, Konjugationen, etc.) verwendet habe. Es ist freilich kein autonomer literarischer Text, da er immer auf die entsprechende Musik abgestimmt ist. Er lautet folgendermaßen:

"Na und? Na und? Machen wir uns nichts vor: Man kann noch so gut sein, wer sich nicht..., sich nicht..., wird nicht... wird nicht... wird nicht... Machen

Machen wir uns nichts vor: Man kann noch so gut, man kann noch so gut sein, man kann noch so, man kann nicht so gut sein, man kann noch sein, man kann so gut, man kann noch so gut machen und sein; wer wird so sein? wer wird so gut sein? Gut sein, nicht gut sein? Nicht gut: so nicht machen! nicht machen! Gut machen vormachen! Gut vormachen und nichts machen und noch nichts sein. Gut vormachen und nichts und nichts sein und nichts und nichts und nichts und nichts und nichts.

Wer sich nicht..., wird nicht..., wird nicht..., wird sich nicht machen.

Man kann gut sein, man kann nicht nichts sein; sein und nicht sein, so und so sein, nicht Nichts sein, noch Nichts sein; nicht sein und machen; Und: Wer wird sein und wer wird nichts sein? Gut sein, wer wird noch so gut sein? So gut! Wer wird so sein? Nichts machen, nichts machen, vormachen.

Nichts vormachen, nichts vormachen; Wer kann sich nichts vormachen? Nichts vormachen? Nichts! Wer wird uns nichts vormachen? Nichts? Wer wird sich nichts, nichts vormachen? Und wer wird uns nichts vor, nichts vormachen, wird nichts machen, nichts machen, uns nichts machen, nicht uns? Noch nicht! Uns nicht! Uns wird man nichts machen. Nichts! Nicht uns! Noch nicht!

Wer uns gut machen wird, wird gut sein. Wer uns gut machen wird, wird uns nichts vormachen. Wer sich nichts vormachen wird, wird uns gut sein, so gut sein. Na und! Machen wir uns nichts vor, man kann noch so gut sein, wer sich nicht..., wird nicht... Wer sich nicht...

Man kann noch so gut...

Wer sich nicht, wird nichts sein. Nichts wird, wer sich nicht, wird nichts. Na und nicht! Machen wir uns nichts vor: Man kann noch so gut sein, wer sich nicht, wird nicht; wer sich nicht, wird nicht; wer sich nicht, wer sich nicht, wird nicht sein. Nicht sein, nicht sein, nicht sein.

Man kann so sein, man kann so nicht sein; gut sein, noch nicht so und so sein. Gut sein, noch nicht sein, noch nicht so sein, nicht so sein. Wer ist gut? Kann sein, kann nicht sein... Noch nicht so und so sein. Nichts sein. Man kann nicht sein und nicht Nichts machen. Noch nicht! So und so sein und nicht sein. Nichts sein, nichts machen. Man kann gut sein; man kann nicht gut machen und sein. Man kann noch so gut sein. Man kann so machen und nicht sein. Und man kann nicht so sein. Man kann gut sein. Man kann nicht gut sein."